Trauma und die Folgen
Was ist ein Trauma?
Allgemein kann man wohl sagen, dass es sich bei einem Trauma um eine Verletzung der Psyche handelt,
welche von „außen“ zugefügt wurde. Dabei werden die Belastungsgrenzen des Betroffenen überschritten und das Ereignis
kann nicht richtig verarbeitet werden.
Traumata können durch die verschiedensten Erlebnisse entstehen, z.B. durch Krieg, Folter, Naturkatastrophen,
Unfälle und eben auch durch physische, psychische und sexuelle Gewalt. Als besonders belastend gelten dabei
langandauernde Traumatisierungen (z.B. wiederholter sexueller Missbrauch im Kindesalter),
die man-made sind, d.h. von anderen zugefügt wurden (im Gegensatz zu non-man-made, also z.B. Naturkatastrophen).
Sexuelle Gewalt
Das Erleben von sexueller Gewalt verursacht fast immer eine schwere Traumatisierung.
Dabei geht es nicht nur um Vergewaltigung, sondern auch um Anfassen, anzügliche Blicke oder Bemerkungen.
Sexueller Missbrauch kommt in allen Gesellschaftsschichten vor, unabhängig von finanzieller Situation, Bildung
und der Familienzusammensetzung. Entgegen der immer noch vorherrschenden Meinung können auch Frauen zu Täterinnen
werden und zwar nicht nur zu Mittäterinnen. Das Bild des „Fremden“, der das Opfer aus dem Hinterhalt überfällt,
wird noch heute von den Medien vertreten. Ein Großteil der sexuellen Gewalt findet allerdings hinter den verschlossenen Türen
der nach außen hin „heilen“ Familie statt.
Folgen
Akute Folgen einer Traumatisierung können unter anderem Betäubung,
Bewusstseinseinengung mit eingeschränkter Aufmerksamkeit, Unfähigkeit Reize zu verarbeiten, Desorientierung sowie Panik sein.
Oft findet man posttraumatisch auch Flashbacks, vegetative Übererregung, emotionale Taubheit, Entfremdungsgefühle,
Dissoziation und Erinnerungslücken. Findet ein Betroffener dann keine Hilfe und kann das Trauma nicht verarbeiten
und integrieren, besteht die Gefahr einer Chronifizierung der Beschwerden. In Folge dessen kann es zur Entwicklung
der verschiedensten Krankheitsbilder kommen (z.B. Schlafstörungen, Depression, Essstörungen,
Borderline Persönlichkeitsstörung, dissoziative Störungen, selbstverletzendes Verhalten oder Abhängigkeitserkrankungen).
Wichtig: Es ist „normal“ auf ein traumatisches Ereignis Belastungsreaktionen zu zeigen,
kein Mensch könnte ein solches Ereignis einfach „wegstecken“. Zentral ist, wie die Verarbeitung stattfindet,
d.h. wie lange es dauert, bis Hilfe geholt werden kann. Gerade bei sexueller Gewalt (v.a. in der Familie)
verhindern Scham und Schuldgefühle, dass sich die Betroffenen Hilfe holen, so dass oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten
der Schritt in die Therapie gelingt. Eine Chronifizierung der Traumafolgen ist hier fast immer gegeben.
Verfasserin: Nicki