Klinikbericht Hardtwaldklinik I (HWK I), in Bad Zwesten

Hier ein kleiner "Erfahrungsbericht" über meinen Aufenthalt in der HWK 1, im Juni/Juli 2007.
Ich war wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (M*s****ch) fast 8 Wochen dort.

Ankunft:
Meine Koffer waren gepackt und mit ziemlich viel Ängsten und Sorgen habe ich meine Reha in der HWK angetreten. Als ich in der Klinik ankam, fand ich es sehr positiv, dass es im Eingangsbereich Kofferwagen, wie an jedem Bahnhof gibt, was eine ziemliche Erleichterung war. Ich bin dann mit meinen Papieren zur Rezeption. Die Dame war sehr freundlich, rief gleich auf der Station an und eine freundliche Schwester holte mich von dort ab und brachte mich auf mein Zimmer.

Zimmer:
Sie zeigte mir mein neues "zu Hause", welches zweckmäßig und sauber war. Schrank, Bett, ein kleiner Schreibtisch und ein kleines Bad waren vorhanden. Ich war angenehm überrascht, dass es ein Einzelzimmer war. Es gab kostenlos TV im Zimmer und zur Begrüßung standen dort etwas Obst, etwas zu Trinken und ein Müsliriegel. Kam mir fast vor, wie in einem Hotel. Im Kleiderschrank befand sich auch ein kleines Schließfach für Wertgegenstände.
Die Schwester meinte, ich könne erst einmal in Ruhe auspacken und danach Mittagessen gehen. Hunger hatte ich keinen, ich war viel zu aufgeregt. Die Raumpflegerinnen sind sehr nett und kümmern sich, wenn man frische Bettwäsche, oder Handtücher haben möchte.

Aufnahmegespräch:
Um 14 Uhr hatte ich dann mein Aufnahmegespräch bei der Ärztin. Ich habe soviel Ängste gehabt, dass ich meinen Mann mit ins Aufnahmegespräch genommen habe, wollte nicht alleine sein. Die Ärztin war meines Erachtens kompetent und freundlich. Sie machte eine körperliche Untersuchung, wobei ich mich nicht komplett ausziehen musste, letzteres war mir persönlich sehr wichtig. Sie stellte eine Menge Fragen zu meiner Krankengeschichte, immer mit der notwendigen Sensibilität. Ansonsten passierte am ersten Tag nicht mehr viel, außer dass ich mich irgendwann von meinem Mann verabschieden musste, was mir besonders schwer viel. War wie ein loslassen von der alten Welt für mich und das Gefühl nun gänzlich alleine zu sein.

Begrüßung der neuen Mitpatienten:
Am Abend meines Ankunftstages fand, wie jede Woche, die Begrüßung der neuen Mitpatienten statt. Auf der Station 1, was ab sofort meine neue Heimat war, gab es insgesamt knapp 50 Patienten. Hört sich richtig viel an und auch die Klinik ist insgesamt recht groß. Letztendlich hat man aber nicht mit allen 50 Patienten zu tun. Man wird je nach Krankheitsbild in Kleingruppen aufgeteilt von ca. 8 - 10 Patienten. Diese sind es auch, die einem während des Aufenthaltes in der Morgenrunde und in den Gruppentherapien begleiten, doch dazu später. Bei der Begrüßung der neuen Mitpatienten am Abend kommen alle Patienten der Station zusammen. Man stellt sich kurz mit Namen und Alter vor und wie lange man schon da ist und voraussichtlich noch bleibt.

Organisatorische Dinge:
Einmal in der Woche kann man Getränkekästen gegen Vorauskasse zum Einkaufspreis bestellen.
Es gibt eine Kaffeekasse (große Tasse 20 Cent, kleine Tasse 10 Cent) Bügeleisen und Minigolfschläger kann man an der Rezeption gegen "Zimmerschlüsselpfand" ausleihen, eine Wolldecke gegen 10 Euro Pfand Wäscheständer gibt es im Stationszimmer Teekannen gibt es gegen Leihgebühr beim Bedienungspersonal im Speisesaal. Waschmaschinen (kostenlos) sind im Keller vorhanden, dort gibt es auch Trockner, allerdings gegen Gebühr. Es empfiehlt sich Waschpulver und Weichspüler mitzubringen.
Internet gibt es in der Cafeteria gegen Gebühr. Ist schweineteuer und meiner Meinung nach Ausbeutung. 20 Minuten/1 Euro! Rauchen ist nur außerhalb des Klinikgebäudes erlaubt. Bettruhe ist ab 22.30 Uhr, dann wird auch der Eingang geschlossen. Nicht selten saß mancher Raucher noch um 22 Uhr draußen und hat 3 auf Kette geraucht, um seinen Nikotinbedarf für die Nacht zu decken.
Einen Geldautomaten gibt es in der HWK nicht, man muss dafür runter ins Dorf.

Essen:
Es gibt einen Speisesaal und man bekommt einen festen Sitzplatz für die Dauer des Aufenthaltes zugewiesen. Das Essen ist in Ordnung und schmeckte mir. Mittags und abends gibt es ein Salatbuffet, und einmal in der Woche auch abends eine warme Mahlzeit.
Über Vollwertkost, vegetarischer Kokst und Reduktionskost, gibt es alles möglichen Kostformen. Im jeden Fall Abwechslungs- und ballaststoffreich.

Vorstellungsrunde im Team:
Einen Tag nach meiner Ankunft musste ich mich im Team vorstellen. Das war mit sehr viel Aufregung für mich verbunden. Das gesamte therapeutische Team saß in einem Raum. Vertreten waren der Chefarzt, Oberarzt, Stationsärzte, Psychologen, Bewegungstherapeuten, Musiktherapeuten und das Pflegepersonal. Ich wurde hereingerufen und eine Ärztin führte ein kurzes Interview mit mir. Ich sollte ein wenig von mir erzählen, was ich beruflich mache, ein wenig von meinem familiären Umfeld und warum ich letztendlich in die Klinik gekommen war. Vor so einer großen Gruppe zu reden und alle schauen einen an, ist gar nicht so einfach, aber ich denke, ich habe es relativ gut hinbekommen, wenn man von dem Schweißausbruch, den ich hatte, mal absieht *g*.

Morgenrunde:
An jedem Werktag fand morgens um 8.15 Uhr die Morgenrunde statt. Bis dahin hatten einige schon ihre erste Therapie hinter sich gebracht und gefrühstückt sollte man auch schon haben.(Kleiner Tipp: Nach der Morgenrunde gibt`s aber noch in jedem Fall Kaffee und auch Frühstück für Spätaufsteher im Speisesaal)
Die Morgenrunde, war eine Kleingruppe von ca. 8 - 10 Mitpatienten. "Guten Morgen, wie haben sie geschlafen? Was bringen sie mit in den Tag?"
Die Morgenrunde und die Gruppentherapien gehörten zu den absoluten Pflichtveranstaltungen, bei denen man nicht fehlen durfte. Man wurde schon mal auf dem Zimmer angerufen und rausgeklingelt wenn man verschlafen hatte. Auch organisatorische Dinge (Vergabe von Terminen: Einzelgespräche, Visite) wurden dort bekannt gegeben.

Gruppentherapien:
3mal wöchentlich fand die Gruppentherapie statt. Ich hatte ziemlich schiss davor, als ich das Erste Mal daran teilgenommen hatte. Zwar berichtet man dort nicht bis ins Detail seine persönlichen Erfahrungen, wird alles allgemein bei einem bestimmten Thema gehalten, trotzdem ging mir das alles ziemlich unter die Haut. Ich hatte immer meinen kleinen Teddy, oder einen Kettball mit dabei. Den Teddy benötigte ich, um das Kind in mir zu beschützen. Den Knetball, um mit der inneren Anspannung klar zu kommen. Einmal war ich dermaßen angespannt, dass mein Knetball, der mit Mehl gefüllt ist, platzte. Man war mir das peinlich, ich konnte nicht mal ausatmen und schon verteilte sich eine Feinstaubwolke um mich herum. Wenn einem einmal das Thema zu Nahe ging, so konnte man seinen Stuhl aus dem Kreis etwas zurücksetzen. Das diente als Zeichen, dass es einem weniger gut ging. Auch war es möglich, kurz die Gruppentherapie zu verlassen. Man musste allerdings sagen, ob man wieder reinkommt. Wenn nicht, so hatte man sich oben bei den Schwestern zu melden.
Es gab so manche Gruppenstunde, die mich tief berührt hat und in der ich weinte. Doch insgesamt kann ich sagen, dass ich sehr von der Gruppentherapie profitiert habe. Ich weiß zwar nicht wie und warum, aber sie hat mich weiter gebracht auf meinen Weg.

Einzelgespräche & Visite:
Einzelgespräche und Visite fanden in der Regel einmal wöchentlich statt. Es war jedoch immer möglich, bei Bedarf auch mehrere zu haben. Auf die Bedürfnisse wurde im jedem Fall eingegangen. Auch über das Pflegepersonal kann ich insgesamt nur positives berichten. Sie waren immer ein guter und konstruktiver Ansprechpartner, auch in der Nacht. Mich haben die Einzelgespräche im jedem Fall weiter gebracht und ich habe davon profitiert. Es ging ziemlich ans Eingemachte, hat mich viele Tränen gekostet, leicht war es keinesfalls.

Sonstige Therapien:
Über Langeweile konnte man sich keinesfalls beklagen. Freitags gab`s immer die neuen Therapiepläne für die kommende Woche. Man sollte im jedem Fall sagen, wenn einem eine Therapie zu viel wird oder diese einem nicht liegt. In meiner Naivität habe ich in der ersten Woche gleich Frühsport zugesagt. Ich dachte dabei an ein wenig Morgengymnastik auf der Wiese, vor dem Frühstück. Ihr hättet mein Gesicht sehen sollen, als ich erfuhr, dass folgendes darunter verstanden wurde: 7 Uhr (!) =2½ km joggen!
Ansonsten war ich wirklich gut eingedeckt und hatte von morgens bis abends Programm.
Es gibt vieles, was man dort machen und ausprobieren kann. Ich hatte: Körpertherapie, Bewegungsmediation, Nordic Walking, Gymnastik, Bogenschießen, therapeutisches Boxen, Stockkampf, Massage, Fango, Melissebäder, Rhythmustherapie, Stabilisierungsgruppe und die Specksteingruppe. Nicht alles hat mir zugesagt, man muss sagen, wenn man etwas nicht machen möchte, weil es einem nicht liegt. Auch weiß ich von Mitpatienten, dass es noch therapeutisches Reiten, Ergometer, Sauna, Schwimmen, Rotlicht, Klanggruppe und die Musiktherapie gibt.
Besonders erwähnenswert finde ich die Rhythmustherapie, Takitena! Nun ja, diese Erfahrung muss wohl jeder selber machen, gewöhnungsbedürftig, aber durchaus interessant, lasst euch überraschen, was sich genau dahinter verbirgt. *smile*

Persönlicher Eindruck:
Ich habe in der HWK zum Teil ziemlich schwere Zeiten für mich durch gestanden. Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich immer einen Ansprechpartner hatte und dass mich der 8-wöchige Klinikaufenthalt im jeden Fall weiter gebracht hat. Ich fühle mich deutlich stabiler, als vorher und ich glaube, wäre ich nicht stationär gegangen, so hätte ich bestimmt noch Monate benötigt, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin.
Ich kann nur jeden Mut machen, ich habe insgesamt eine positive Erfahrung gemacht!

Ich hoffe, ich konnte/kann durch meinen Bericht ein paar Ängste abbauen helfen.

Verfasserin: Ulrike Illichmann

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